Passwörter aufschreiben: erlaubt — wenn der Ort stimmt
Passwörter aufschreiben ist nicht verboten — der Ort entscheidet. Was das BSI wirklich sagt, welche vier Regeln gelten und wo dein Passwort-Buch hingehört.
Das Thema hier ist ein Baustein aus dem kompletten Leitfaden für schnelles WLAN.
Der Zettel unter der Tastatur. Das Büchlein in der Schublade neben dem Bildschirm. Die Liste hinten im Küchenkalender. Ich sehe das bei fast jedem Hausbesuch — und fast jeder entschuldigt sich dafür.
Musst du nicht. Aufschreiben ist nicht das Problem. Der Ort ist es.
Das Wichtigste vorab:
- Passwörter auf Papier sind erlaubt. Das BSI verbietet den Notizzettel am Bildschirm und die ungeschützte Datei am PC — nicht den Stift
- Entscheidend ist die Verwahrung: aufgeschriebene Passwörter gehören unter Verschluss, nicht in Griffweite des Geräts
- Ein sicher verwahrtes Passwort-Buch schlägt dasselbe kurze Passwort für zehn Zugänge — deutlich
Passwörter aufschreiben — was das BSI wirklich sagt
Die Regel „Passwörter darf man nie aufschreiben" hält sich seit zwanzig Jahren. Sie ist in dieser Form falsch.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik formuliert es genauer: Passwörter sollen niemals unverschlüsselt auf dem Rechner liegen und nicht auf dem berühmten Notizzettel am Bildschirm kleben. Wer sie aufschreibt, soll sie sicher verwahren — unter Verschluss.
Der Unterschied ist wichtig, weil er zeigt, worum es eigentlich geht: nicht um das Papier, sondern um die Entfernung zwischen Passwort und Gerät.
Und es gibt einen zweiten Grund, warum Papier oft die bessere Wahl ist als das eigene Gedächtnis. Angreifer sitzen nicht in deiner Küche. Dein Zugang wird automatisiert aus dem Netz probiert, mit Listen aus früheren Datenlecks. Gegen diese Angriffe hilft ein langes, einmaliges Passwort — und genau das kann sich niemand für zwölf Konten merken. Aufschreiben ist der Preis dafür, dass jedes Passwort anders sein darf.
Die 4 Regeln für den Passwort-Zettel
Regel 1: Nicht in Griffweite des Geräts
Nicht am Monitor, nicht unter der Tastatur, nicht in der Lade unter dem Schreibtisch. Wer sich Zugang zu deiner Wohnung verschafft oder einfach nur zu Besuch ist, soll nicht in derselben Bewegung Gerät und Passwörter haben.
Ich nenne das den Fünf-Minuten-Test: Stell dir vor, jemand steht fünf Minuten allein in deinem Wohnzimmer und sucht gezielt. Findet er dein Passwort-Buch? Dann liegt es falsch.
Gute Orte: ein Ordner im Regal zwischen anderen Unterlagen, das Nachtkästchen im Schlafzimmer, eine abschließbare Kassette, der Ordner mit Versicherungspapieren. Sicher genug für zuhause, ohne dass du eine Schatzkarte brauchst.
Regel 2: Jeder Zugang bekommt sein eigenes Passwort
Das ist der eigentliche Sinn der ganzen Übung. Wird ein Onlineshop gehackt, landen E-Mail-Adresse und Passwort in einer Liste — und diese Kombination wird anschließend automatisch bei Amazon, PayPal, Gmail und Facebook durchprobiert. Ein einziges wiederverwendetes Passwort reicht, damit aus einem fremden Datenleck dein Problem wird.
Mit Papier ist das lösbar. Im Kopf nicht.
Regel 3: PIN und TAN gehören nirgends hin
Dienst, Benutzername, Passwort — das darf ins Buch. Der PIN-Code deiner Bankomatkarte, TANs und der Entsperrcode deines Handys nicht. Die schreibt man nirgends auf, auch nicht getarnt als Telefonnummer.
Regel 4: Eine Zweitschrift anlegen
Papier geht verloren, wird nass, landet im Altpapier. Wenn dein Passwort-Buch das einzige Exemplar ist, sperrst du dich im schlimmsten Fall selbst aus.
Für die meisten reicht: eine Kopie der wichtigsten Zugänge, in einem Kuvert bei den Dokumenten, die du ohnehin sicher verwahrst — Reisepass, Versicherungen, Sparbuch.
Passwort-Manager oder Papier — was ist besser?
Ehrliche Antwort: technisch der Passwort-Manager. Er erzeugt Passwörter, die niemand raten kann, füllt sie automatisch aus, warnt dich bei Datenlecks und synchronisiert zwischen Handy und PC. Bitwarden zum Beispiel ist kostenlos und für Privatnutzer völlig ausreichend.
Aber der beste Passwort-Manager ist der, den man tatsächlich benutzt. Ich habe schon oft erlebt, dass eine App eingerichtet wird, drei Wochen läuft — und dann kommt der Zettel zurück, weil das Handy beim Ausfüllen gerade nicht griffbereit war.
Deshalb: Papier ist kein Rückschritt, wenn es ehrlich zu deinem Alltag passt. Viele fahren mit einer Kombination am besten — Manager für die vielen Alltagskonten, Papier für die Handvoll Zugänge, die alles andere aufsperren: E-Mail-Konto, Router, Windows-Anmeldung, Wiederherstellungscodes.
Wie du an ein vergessenes Netzwerk-Passwort wieder herankommst, steht übrigens hier: WLAN-Passwort vergessen? So kommst du in 3 Minuten wieder rein
So sieht ein gutes Passwort aus
Das BSI nennt zwei Wege, die beide funktionieren:
- 20 bis 25 Zeichen mit zwei Zeichenarten. Also eine Wortkette wie
Hollerbusch-Traktor-Kaffee7. Lang, aber leicht abzuschreiben — ideal fürs Passwort-Buch - 8 bis 12 Zeichen mit vier Zeichenarten, also Groß- und Kleinbuchstaben, Zahl und Sonderzeichen
Zwei Dinge, die sich geändert haben und viele noch nicht mitbekommen haben:
Regelmäßiges Ändern ist vorbei. Das BSI empfiehlt einen Wechsel nur noch bei Verdacht — nach einem Datenleck, nach einer Phishing-Mail, nach einem Virus. Der Zwang, alle drei Monate zu wechseln, hat vor allem dazu geführt, dass aus Sommer2024! eben Sommer2025! wurde. Das ist keine Sicherheit.
Der zweite Faktor bringt mehr als jedes längere Passwort. Wo es angeboten wird — E-Mail, Banking, Amazon — schalte ihn ein. Ein zusätzlicher Code aufs Handy macht ein gestohlenes Passwort für Angreifer wertlos.
Mein Passwort-Buch zum Ausdrucken — gratis
Damit du nicht mit einem karierten Zettel anfangen musst, habe ich ein fertiges Passwort-Buch gemacht: 14 Seiten zum Ausdrucken, extra große Schrift, feste Felder für Dienst, Benutzername und Passwort. Vorne stehen die fünf wichtigsten Regeln auf einer Seite, damit auch jemand damit zurechtkommt, dem du es weitergibst.
Passwort-Buch kostenlos herunterladen — keine Anmeldung, keine E-Mail-Adresse, einfach ausdrucken.
Wenn du beim Einrichten Unterstützung willst — Passwort-Manager aufsetzen, Zwei-Faktor aktivieren, alte Passwörter durchgehen — mach ich das gerne mit dir gemeinsam, in Ruhe und mit Erklärung. Technik Buddy, Langmannersdorf, Bezirk St. Pölten-Land. Am schnellsten erreichst du mich per WhatsApp oder SMS.
Wer sein Heimnetz gleich mitabsichern will, findet die Grundlagen hier: WLAN-Sicherheit: So schützt du dein Heimnetz wirklich
Häufige Fragen zum Aufschreiben von Passwörtern
Ist es verboten, Passwörter aufzuschreiben? Nein. Weder gesetzlich noch nach den Empfehlungen des BSI. Verboten ist im Sinne der Empfehlungen nur die ungeschützte Ablage: der Zettel am Bildschirm, die unverschlüsselte Datei am PC, das Foto in der Handy-Galerie. Auf Papier und sicher verwahrt sind Passwörter zulässig.
Wo bewahre ich mein Passwort-Buch am besten auf? Räumlich getrennt vom Computer, idealerweise versperrt: abschließbare Kassette, Schreibtischschublade mit Schlüssel oder ein Ordner zwischen anderen Unterlagen. Nicht am Schreibtisch, an dem das Gerät steht.
Muss ich meine Passwörter regelmäßig ändern? Nein, das gilt als überholt. Das BSI empfiehlt eine Änderung nur noch anlassbezogen — nach einem bekannt gewordenen Datenleck, nach einer Phishing-Mail oder wenn ein Dienst dich ausdrücklich dazu auffordert.
Was mache ich, wenn ich mein Passwort-Buch verliere? Zuerst die kritischen Zugänge ändern: E-Mail-Konto, Online-Banking, alles mit hinterlegter Zahlungsmethode. Das E-Mail-Konto zuerst, weil darüber alle anderen Passwörter zurückgesetzt werden können. Deshalb lohnt sich die Zweitschrift an einem anderen Ort.
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